Vom 4. bis 11. Dezember 2025 fanden in Gizeh die Afrikameisterschaften im Goalball statt. Für mich war es die erste Berufung zu einer Kontinentalmeisterschaft.
Voller Vorfreude stieg ich in Stuttgart ins Flugzeug. In Kairo fühlte ich mich direkt wieder heimisch, da ich erst wenige Monate zuvor dort meinen Schiedsrichterlehrgang für das erforderliche Level II erfolgreich absolviert hatte. Früh am Morgen ging es dann quer durch die ägyptische Hauptstadt weiter nach Gizeh – mit dem Wissen, dass nun eine ganz besondere Woche vor mir lag.
Austragungsort war der moderne „Dr. Hassan Moustafa Indoor Sports Complex“, der für die Handball-WM der Männer 2021 errichtet wurde. Es handelt sich hierbei um eine Sporthalle mit integriertem Hotel.

Kennenlernen und Inspektion der Spielstätte
Nach einer kurzen Nacht war die Freude beim Wiedersehen mit bekannten Schiedsrichterkollegen riesig. Am Morgen stand zunächst die Inspektion der Spielstätte auf dem Programm.
Der beeindruckende Gang in die 5.200 Zuschauer fassende Spielstätte sollte in den nächsten Tagen immer wieder für Gänsehaut sorgen. Die Arena hat übrigens nur drei Tribünen. Hinter einem Tor befindet sich eine Glasfassade durch welche man direkt von der Hotellobby oder dem Speisesaal die Spiele schauen kann.

Zwischen Spielplan und Weltgeschichte
Am ersten Tag standen abschließende Klassifizierungen der Spielerinnen und Spieler auf dem Programm. Dies gab uns die einmalige Gelegenheit, bei den nahe gelegenen Pyramiden von Gizeh vorbeizuschauen.
In einem Kleinbus konnten wir bereits aus der Ferne die ersten Pyramiden sehen. Nach den ausführlichen Sicherheitschecks spazierten wir inmitten von Kamel-Karawanen durch die Wüste an den Pyramiden entlang.
Eine besondere Gelegenheit bot sich mir, als mein ägyptischer Schiedsrichterkollege Ebrahem dem Sicherheitspersonal erzählte, dass ich eine deutsche Prinzessin sei. Der Pyramidenwächter strahlte über das ganze Gesicht und ich durfte ein paar Stufen der Pyramide erklimmen. Dies war ein unglaublich!
Abgerundet wurde der Tag mit dem Besuch der Sphinx und des „Grand Egyptian Museum“, das erst im November 2025 eröffnet wurde.
Die Gebäude sind architektonische Meisterwerke. Kein Wunder, dass so viele Besucher da waren um u.a. die Totenmaske von Tutanchamun und die mächtige Statute von Ramses II. zu bewundern.
Dieser Besuch machte die Afrikameisterschaften auch abseits des Spielfeldes unvergesslich.

Turnierstart und erste Einsätze
Nach der festlichen Eröffnungsfeier folgten meine ersten Spiele. Mein Debüt gab ich als 10-Sekunden-Schiedsrichterin im Spiel Ägypten gegen Libyen.
Wenig später leitete ich gemeinsam mit Mohamed aus Algerien die Partie zwischen dem Gastgeberland und dem Niger. Ich war voller Vorfreude auf die Mannschaften. Zu meiner Anspannung gesellte sich nach dem Abpfiff Erleichterung, denn das erste Spiel war geschafft. Ein großartiges Gefühl!
Meinen zweiten Einsatz hatte ich gemeinsam mit Patrik, mit dem ich ebenfalls zum ersten Mal gepfiffen habe. Sein schwedisches Lebensgefühl passte gut zu meiner schwäbischen Art. Besonders erfreulich war das positive Feedback der Teams, das mir zusätzlich Sicherheit und Motivation gab.

Volle Konzentration auf dem Feld – trotz Regen von oben
Am zweiten Tage standen weitere Gruppenspiele auf dem Programm. Zunächst führte ich zum ersten Mal in meiner Karriere Kamerun auf das Feld, ehe ich gemeinsam mit Patrik das Frauenspiel zwischen Algerien und Ägypten pfiff. Die Leitung des intensiven Spiels gelang uns prima, sodass wir uns für höhere Aufgaben empfehlen konnten.
Mein letztes Spiel des Tages pfiff ich mit Houshang aus dem Iran. Die Besonderheit an diesem waren nicht die Teams aus Benin und Ägypten, sondern der sintflutartige Regenfall, der auf das Hallendach trommelte. Wir waren gezwungen, das Spiel für ein paar Minuten zu unterbrechen. Die Gastgeber versicherten uns hinterher, dass es der erste Regenfall im Jahr war.

Finaltage voller Emotionen und sportlicher Höhepunkte
Der vorletzte Tag stand im Zeichen der Halbfinalspiele. Durch meine guten Leistungen wurde ich mit der Leitung des ersten Halbfinales zwischen Ägypten und Libyen beschenkt. Gemeinsam mit Houshang wurden wir Zeuge, wie die Pharaonen in das Finale einzogen. Algerien folgte im zweiten Halbfinale.
Am Abschlusstag wurde mir schließlich die besondere Ehre zuteil, dass Endspiel der Frauen zwischen Ägypten und Algerien gemeinsam mit Abdulkareem aus Saudi-Arabien zu pfeifen – mein erstes Endspiel bei einer Kontinentalmeisterschaft. Beim Einlaufen mit den Mannschaften hatte ich bereits Gänsehaut. Als dann noch die Nationalhymnen der Teams erklangen, war ich sehr gerührt. Die Leitung des fairen und zugleich hochklassigen Spiels forderte uns Einiges ab, doch wir konnten glücklicherweise einen kühlen Kopf bewahren und das Pfeifen sogar auch ein wenig genießen. Algerien setzte sich schließlich verdient durch.
Bei den Männern gab es eine kleine Überraschung, denn die favorisierten Pharaonen zogen gegen Algerien den Kürzeren zum Leidtragen der vielen freiwilligen Helfern, bei denen die ein oder andere Träne kullerte.
Bei der Abschlussfeier hingegen überwog schließlich die Freude, denn sowohl der amtierende Afrikameister Algerien als auch Ägypten sowie Kamerun qualifizierten sich für die im Juni stattfindende Weltmeisterschaft in China.

Mehr als ein Turnier – Begegnungen, die bleiben
Die Afrikameisterschaften 2025 waren für mich ein absolutes Highlight – sportlich wie menschlich. Es war faszinierend, sich mit den Menschen über die verschiedenen Kulturen auszutauschen. Abends kämpfte man noch um den letzten Nachtisch am Buffet und am nächsten Morgen sah man sich auf dem Spielfeld wieder.
Die internationalen Begegnungen, das gemeinsame Erleben abseits des Spielfeldes und die intensiven Spiele machten dieses Turnier für mich unvergesslich. Mit wertvollen Erfahrungen und großer Dankbarkeit ging es schließlich auf die Heimreise zurück nach Stuttgart.


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